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kellerabteil

Wohlwollende Berichterstattung

Es war der große Tag zum Thema Inseratenaffäre im Untersuchungsausschuss, der 2. Oktober 2012. Josef Ostermayer, SPÖ-Staatssekretär für Medien, war geladen, erklärte und verteidigte sich und seinen Chef, Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), in gewohnt glatter Manier. Während seiner Anhörung sprach Josef Ostermayer einen Satz gelassen aus, der so schwer zu beweisen war: "Inserieren heißt nicht, Zeitungen und Journalisten zu kaufen."

Können Werbegelder freundliche Berichterstattung kaufen oder unangenehme Artikel verhindern? Wie Dossier-Recherchen zeigen, scheint es genau das bei der Gratistageszeitung "Heute" gegeben zu haben. Dossier liegt der Dienstvertrag eines ehemaligen "Heute"-Journalisten vor, in dem es unter Punkt 5 heißt:

"5. Dem Arbeitnehmer ist bei der Verrichtung seiner Tätigkeit bewusst, das der Arbeitgeber Herausgeber einer Gratiszeitung ist. Darauf ist bei der redaktionellen Gestaltung tunlichst Rücksicht zu nehmen. Daher ist eine wohlwollende PR-Berichterstattung der jeweiligen Inserenten für den wirtschaftlichen Erfolg unerlässlich."
Auszug aus dem Arbeitsvertrag

Bereits 2011 kam dieser Verdacht das erste Mal auf, als der Holzhausen Verlag den fünften Band der Reihe "Qualität im Journalismus - Wo (zu)?" präsentierte. Für das Buch wurde auch der damalige "Heute"- Chefredakteur Richard Schmitt interviewt:

"In meinem Vertrag steht, dass ich nichts Kritisches über Anzeigenkunden schreiben darf",

sagte Schmitt. "Der Standard" konfrontierte "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand mit Schmitts Aussage - Dichand stritt ab: "Diese Klausel gibt es nicht." Es handle sich dabei lediglich um einen "Gründungsfauxpas".

Der Vertrag des ehemaligen Mitarbeiters, der Dossier vorliegt, wurde jedenfalls mehrere Jahre nach Schmitts Aussage abgeschlossen. Um seine Identität zu schützen, nennt Dossier das genaue Eintrittsdatum des Journalisten nicht. Ob Wiens Stadträte von diesem Passus gewusst haben, bleibt offen. Fakt ist: Die Stadt und ihre Unternehmen schalteten gemeinsam mehr Inserate als irgendein anderer Anzeigenkunde des Gratisblattes. Dass Geschichten nicht gegen die Stadt gehen konnten, bestätigen weitere "Heute"-Journalisten, die mittlerweile den Arbeitgeber gewechselt haben. "Oft war im Vorhinein klar, wie eine Geschichte zu laufen hat", sagt ein ehemaliger "Heute"-Journalist. Einmal hätte es von der Stadt sogar selbst geheißen, dass man kritischer berichten dürfe, erzählt ein anderer.

Wurde die sanfte Schreibe irgendwann selbst den politisch Verantwortlichen unangenehm? Beide Journalisten wollen ihre Namen dazu nicht im Internet finden. Zu welchem Thema und wie kritisch berichtet wurde, das sei vom Chefredakteur oder dessen Chef vom Dienst (CvD) vorgegeben worden.

„Mit Ulli Sima (Stadträtin der Geschäftsgruppe Umwelt, Anmerkung Dossier) konnte der CvD nicht - da ging es zum Beispiel. Oder es wurden die Grünen angeschossen. Dafür brauchte es gar keine Vorgabe, denn man wusste, was gewünscht war. Es war eine Art vorauseilender Gehorsam.“

Dossier: Die Anzeigen-Schweigen-Spirale
Reposted bymynnia02mydafsoup-01RKviennalydschiDiviusmactuxblackcaeserpaket

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