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December 17 2011

kellerabteil

April 30 2011

The Power of Twitter

Wenn es um Geschwindigkeit und Autonomie bei der Informationsweitergabe geht, ist Twitter derzeit das mächtigste Social Media Werkzeug. Von der Podcasting Firma Odeo 2006 als internes Kommunikationstool gestartet, wurde Twitter sehr schnell und kreativ für verschiedenste Anwendungen umgeformt. Einer breiteren Masse an Menschen wird «Twitter» im Zuge spektakulärer Ereignisse ein Begriff, wenn es Meldungen auf dieser Plattform sind, die deutlich vor den Breaking News der “Corporate Media” weltweite Öffentlichkeiten erreichen; so etwa schon bei dem Terroranschlag in einem Luxushotel in Mubai oder durch die Flugzeugabstürze am Amsterdamer Flughafen und später im Hudson River in New York. Die ersten Bilder verbreiten sich via Twitter. Selbst die Redaktionen der Medienhäuser erhalten durch das Monitoring dieser Plattform ihre Erstinformation neuer Ereignisse.

Unter anderem entwickelt sich Twitter rasch zur praktikablen Kommunikationsplattform von politischen Aktivist_innen in prekären Umfeldern. Der Aufstand nach den Wahlen im Iran 2009 zeigte, wie durch die Nutzung von Twitter totale Zensur umgangen werden kann. «Twitter, das Medium der Bewegung», schreibt TIME im Juni 2009 zu den Protesten. Und auch wenn die Bedeutung von Twitter bei Großereignissen regelmäßig überschätzt wird, Studien im Nachhinein zeigen, dass die Masse der Twitter-Nachrichten von Kanälen abseits der Krisenherde ausgehen und viel Fehlinformation verbreitet wird, an der eminenten Relevanz dieser Social Media Plattform ändert das nichts. Im Fall der Proteste im Iran 2009 und später der Volksaufstände in Tunesien und Ägypten 2011 verbreiten sich Informationen über Proteste, Polizeibrutalität, Folter und Mord weltweit zuerst via Twitter.

Twitter ist innerhalb von Demonstrationszügen und zur Live-Berichterstattung von Kundgebungen, Streiks oder anderen Aktionen einsetzbar. Dazu bedarf es allein eines Smartphones, eines Twitteraccounts und Nachrichten in SMS-Länge. Wie kein anderer Dienst ermöglicht Twitter das einfache wie schnelle Zusammenschalten bestehender Netzwerkstrukturen im Falle besonderer Ereignisse. Verbreitet werden so nicht nur Textinformationen von unter 140 Zeichen sondern vielmehr vorort mit dem Smartphone gemachte Fotos und Videos, sowie Links zu Live-Streams oder längeren Texten an anderer Stelle. “Breaking News” sind mit einem Klick in das eigene Netzwerk weiterleitbar, so wie es nur eines Klicks bedarf, gerade wichtige Nachrichtenverteiler zu abonnieren oder die Twitterstruktur auf das gerade interessierende Thema umzuschalten. Über den Filter des hashtags ensteht augenblicklich ein Echtzeit-Newsticker zum Ereignis, sei das #unibrennt, #S21, #egypt oder etwa die Diskussion zu einer Konferenz, einem Medienereignis, einer Organisation wie #wikileaks.

Twitterkanäle werden je nach Nutzungsverhalten verwendet, Interessent_innen über eigene Aktivitäten am Laufenden zu halten oder sich selbst via Twitter am Laufenden zu halten, sich an Debatten und Diskursen zu beteiligen, mit Freund_innen zu plaudern oder Twitteratur zu produzieren beziehungsweise zu “faven”, also zu goutieren. Die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von passiv bis aktiv. Wer die kommerzielle Ausrichtung scheut kann zudem auf die Freie Software identi.ca zurückgreifen und trotzdem in der globalen Zwitscheria mitmischen.

April 17 2011

Neulich am Kanal

Wir bekommen Informationen, wenn wir Informationen hergeben

«Der beste Weg, Informationen zu bekommen, ist, Informationen zu geben.»
Niccoló Machiavelli

Informationen haben die eigenartige Angewohnheit, dort zusammenzulaufen, wo sie ausgetauscht und wieder weitergeleitet werden. Durch das automatische Zusammenlaufen der Informationen entsteht ein Medium, ein Umschlagplatz für Informationen, ein Sendeplatz, der gleichzeitig Empfänger ist. Wer über Informationen als “Tauschmittel” verfügt, kann dafür andere Informationen erhalten. Den Wert der hereinkommenden Information tauscht das Medium zumindest teilweise gegen den Wert der Weiterverbreitungsleistung. Ein Medium bekommt Informationen, weil es Informationen hergibt, verteilt, weiterleitet.

In unserem Informationszeitalter ist es aufgrund der vielen, immer zugänglicher werdenden technischen Verbreitungskanäle auch für die Einzelne und den Einzelnen kein Problem mehr, selbst als Medium zu fungieren. Mit Internetzugang und Mobiltelefon bist du dabei. Als politisch aktive Person bist du fast unweigerlich als Informationstauschende_r und als Medium tätig, und du kannst alleine oder im Team diese Dimension deines Tuns weiterentwickeln. Stellt sich die Frage, was dich als Informationsbroker_in und Medium erfolgreich macht und was nicht.

Bereite dich auf die nächste Protestwelle vor!

Warum sollen die Leute ausgerechnet deine Aussendungen und somit dich als Medium beachten? Am Anfang schwimmst du irgendwo vereinzelt im Meer der Informationen und lang bevor du dich als vertrauenswürdiger Informationsdienst etablieren kannst, gibt es sie schon, die diversen großen und etablierten Medien. Es geht darum, einen eigenen Kanal aufzubauen, damit Informationen nicht nur zu dir kommen, weil du Informationen tauschen kannst, sondern wegen der Verbreitungskapazität deines Kanals. Am Anfang steht daher das Sammeln von Adressen von möglichen Interessierten (E-Mail, Post, Tel.Nr., Twitter, Facebook Friends usw.).

Aber wie kommst du an eine signifikante Anzahl von interessierten Menschen heran, die sich bei dir anhängen wollen? Erleichtert wird der Start, wenn zumindest eine kleine soziale Strömung oder eine special interest group da ist, für die deine Informationsarbeit eine Serviceleistung darstellt. Erleichtert wird der Aufbau des eigenen Kanals außerdem, wenn durch die Entwicklung neuer Medien gerade neue technische Vertriebssysteme interessant zu werden beginnen. Sei offen für Neue Medien. Wenn die Menschen mit diesen neuen technischen Möglichkeiten spielen wollen, wird Information, die über diese neuen Techniken verbreitet wird, attraktiver. Das Sammeln von Adressen und Benutzerkonten interessierter Menschen ist einfacher.

Soziale und technischen Strömungen und Wellen geben deinen Bemühungen zusätzlichen Drive. Es genügt aber nicht, einfach auf die Welle zu warten. Du musst schon etwas Schwung haben, wenn die Welle kommt, sonst verpasst du sie.

Ein Blick zurück vor Facebook und Twitter

Als Mitte der 1990er das Internet Einzug in die Haushalte gehalten hat, gab es prompt in politischen Zusammenhängen die ersten, damals naiverweise noch ungeschützt ausgesendeten E-Mail-Adresslisten. Aktivist_innen sammelten E-Mail-Adressen überall dort, wo sich politisch engagierte Menschen trafen, bei Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, über Unterschriftenlisten und offene E-Mail-Verteiler. Der E-Mail-Vertriebsweg ermöglichte den Aufbau neuer Kanäle einer Gegenöffentlichkeit.

Für heutige Verhältnisse ist es wohl unvorstellbar, dass in den späten 1990ern eine kleine Gruppe Aktivist_innen mit lächerlichen 40 E-Mail-Adressen den Diskurs in der damals aufbrechenden politisch-“antirassistischen Szene Österreichs” maßgeblich beeinflussen konnte. Im Laufe des Jahres 1999 war der zentrale Mailverteiler im Antirassismusbereich auf 600 Adressen angewachsen. Als Anfang 2000 eine Regierung unter Beteiligung der rechtsextremen FPÖ unter Jörg Haider entstehen soll, werden diese 600 Adressen in den neu gegründeten E-Mail-Newsletter «widerst@nd-MUND» eingebracht. Im Beitrag von Philipp Sonderegger zu Netzwerk-Kampagnen der Zivilgesellschaft wir übrigens von sehr ähnliche Erfahrungen berichtet.

Im Februar 2000 organisiert eine Handvoll von Leuten den für die nächsten Jahre bedeutendsten Nachrichtendienst im Widerstand gegen die neue österreichische Regierung aus ÖVP und FPÖ. Während die Mitgliedstaaten der EU Sanktionen gegen Österreich aussprechen und jeden Donnerstag Demonstrationen gegen “SchwarzBlau” durch Wien ziehen, wird der fortan über Jahre hinweg täglich erscheinende Newsletter zum zentralen Informationsdienst und Rückrat der Protestbewegung. Anfangs an rund 2.400 E-Mail-Adressen ausgesandt, wird er aus den Verteilern und Beiträgen der verschiedenen politischen Gruppen und Einzelpersonen gespeist.
In den ersten Monaten der Protestbewegung ist der Dienst allein dadurch interessant, dass er die Vielfalt der sozialen Bewegung zeigt und diverse Gruppen vernetzt. Schon bald verlangt das Sammelsurium der Beiträge dieser Gruppen nach einer Gliederung. Eine Redaktion führt Kategorien ein und die Beiträge werden innerhalb der Kategorien nach Relevanz und Qualität gereiht. Mit dem spätestens ab 2004 unübersehbaren Abflauen der Protestbewegung verliert sich das Interesse an der Breite des «widerst@nd-MUND». 2007 wird dieser tägliche Informationsdienst eingestellt.

Eine Donnerstagsdemo in der Fernsehdoku Kultur des WiderstandsAusschnitt einer thematischen Sonderausgabe des Widerst@nd Mund E-Mail-Newsletters aus 2000Die Zeitung DER STANDARD mit Widerst@nd MUND Nennung

DER WIDERST@ND MUND INFORMATIONSDIENST PER E-MAIL
➊ Die Doku «Widerstand im Haiderland» von Frederick Baker erinnert an die “Kultur des Widerstands” in den Jahren nach der unterirdischen Angelobung jener österreichischen Regierung, die durch den Pakt von Wolfgang Schüssel und Jörg Haider bestimmt war.
➋ Eine Sonderausgabe des MUND vom 10.4.2000 widmet sich dem Thema «Kürzung des Posttarifs für Zeitungen» durch die so genannte FPÖVP Regierung. Der Newsletter fasst Artikel aus Zeitungen, Protestnoten, Termine zur Vernetzung, den Link zu einer Petition und Aussendungen beispielsweise von «Reporter ohne Grenzen», der «Public Netbase» oder dem «Presseclub Concordia» zusammen.
➌ Die Zeitung «DER STANDARD» berichtet in der Printausgabe vom 24. September 2002 wie zivilgesellschaftliche Initiativen für ihre Zusammenarbeit am MUND Newsletter vom Innenministerium “bestraft” werden.

Das Zusammentreffen einer breiten, aktiven Protestbewegung einerseits mit auf der anderen Seite neuen technischen Möglichkeiten erleichtert das mediale Überschreiten von Gruppen- und Szene- grenzen und die Etablierung neuer, gemeinsamer Informationskanäle. Derart günstige Bedingun- gen bieten sich uns nur alle paar Jahre. Ohne Vorarbeiten kann die Chance für die Etablierung erfolgreicher Informationsdienste aber jedenfalls nicht ergriffen werden. Das selbe Muster begegnet uns im Zusammentreffen der unibrennt Studierendenbewegung 2009 mit den Möglichkeiten des Live-Streams, von Twitter, Facebook und dem Zusammenspiel der Social Media Kanäle. Jede soziale Bewegung entwickelt ihre zentralen medialen Ausdrucksformen, ihre social media, an der Schnittstelle zwischen technischer und sozialer Innovation.

Darüber darf aber nicht übersehen werden, dass ältere Soziale Media Kanäle von ihren Anhänger_innen weiter verwendet werden. So mischen sich in jeder neuen sozialen Bewegung in die neuen dominanten Kanäle auch ältere Kommunikationsformen hinein. Wo ein solcher Medienmix nicht gelingt, werden die ältere Informationsdienste von den neuen Kanälen ausgeschlossen, was die Verbreitung der neuen sozialen Bewegung in der Gesellschaft hemmt.

Ziele auf Informationsverdichtung ab!

Mit deiner wachsenden Bedeutung als Informationsdrehscheibe bekommst du nicht nur mehr interessante Information zugespielt sondern auch mehr Informationsmüll; und zwar exponentiell mehr. Sobald du aber Infomüll weiterleitest, sinkt die Zahl deiner aktiven Rezipient_innen, was wiederum die Menge und Qualität der hereinkommenden, für die Zielgruppe relevanten Information reduziert. Um dieser Spirale nach unten zu entgehen, musst du also bemüht sein, aus der Quantität der hereinkommenden Information Qualität zu machen. Dies erreichst du mittels Selektions-, Kombinations- und Verarbeitungsleistung, mit der du Information neu verdichtest.

Der politische, ökonomische oder sozio-kulturelle Wert einer Information bemisst sich aus dem Vorteil, den die Information den Empfänger_innen bringen kann; wohlgemerkt nicht aus dem Wert, den diese Information für dich als Sendenden hat. Das ist das Dilemma aller Aufklärung, Bewusstseinsbildung und Überzeugungsarbeit. Je mehr du von deiner Information überzeugt bist, desto mehr tendierst du dazu, den Wert deiner Information für dein Publikum zu überschätzen und damit ins Leere zu senden. Gelungene Information verlangt Empathie und Wissen um das, was dein Publikum als relevant wahrnimmt. Die Relevanz von Informationen ergibt sich aus den sozialen Kontexten, in denen sich das Publikum bewegt. Die ökonomische Dimension von Information lässt sich insbesondere dadurch ansprechen, dass Informationen auf eine bestimmte Knappheit und Nachfrage in der Zielgruppe zugeschnitten werden.

Be the Breaking News!

Die Geschwindigkeit, mit der du an neue Informationen herankommst, ist wichtig. Je schneller und exklusiver du relevante Informationen weiterleitest, desto eher kannst du dir als Medium den Nimbus des Neuigkeitswerts erobern. Je mehr sich deine Informationsgeschwindigkeit herumspricht, desto eher werden andere dich als Informationsumschlagplatz beobachten. Sie werden dich früher informieren als andere, wenn sie was Interessantes zu melden haben.

In der Geschwindigkeit der Informationsweitergabe liegt auch eine Steuerungsmöglichkeit. Wenn du dir eine beobachtete Informationsposition erarbeitet hast, kannst du Themen, Debatten und thematische Sichtweisen einbringen und die Richtung von Diskussionsverläufen mitbestimmen. Das funktioniert unter anderem, indem du schneller informierst als andere. Wenn deine Information zu einem bestimmten Ereignis als “Breaking News” an eine große Zahl von Rezipient_innen gelangt, schaffst du damit die Rahmung des diskursiven Terrains für alle später kommenden Informationen. Abwandlungen der Erstinformation werden als deren Wiederholung beziehungsweise Bestätigung oft weniger genau wahrgenommen. Jedenfalls werden sie im Lichte der Information gesehen, die du bereits an die Zielgruppe gebracht hast. Zudem nimmst du einigen andern die Informationsarbeit ab. Wenn die Info bereits herumschwirrt, haben andere weniger Ansporn, selber Informationsarbeit zu leisten. Eher werden sie deine Info weiterleiten.

Nicht nur Schnelligkeit, auch das Eröffnen ungewohnter Einblicke kann Newswert haben. Allerdings ist es eine schwierige Gradwanderung, den Horizont über die bisherige Rezeption des Publikums hinaus erweitern zu wollen. Die Relevanz des bisher außer Betracht Stehenden muss mit vermittelt werden. Wenn das nicht gelingt, das heißt das Publikum die Relevanz nicht erkennen kann oder mag, wird die Information unwichtig und somit entwertet. Du darfst dich mit ungewöhnlichen News nicht zu weit hinauslehnen.

Sei glaubwürdig: mach Fehler und thematisiere sie!

Du musst die Wahrheit der Informationen nicht garantieren. Das kannst du gar nicht. Du darfst irren, Falschmeldungen aufsitzen, etwas nicht in den richtigen Kontext gebracht haben. Im Moment der Aussendung solltest du von der Wahrheit der Information überzeugt sein. Später kannst du bei Bedarf Fehler richtigstellen, Irrtümer korrigieren. Freilich, wenn ein Lapsus à la Hitlertagebücher passiert, dann ist deine Glaubwürdigkeit als Medium vernichtet. Der Anschein der Kredibilität muss gewahrt sein; da ist zwar förderlich, wenn dir nicht öfters Falschmeldungen nachgewiesen werden, vor allem wirst du aber am Umgang mit deinen Fehlern gemessen. Informationen müssen nicht unbedingt wahr sein, um relevant zu sein und somit tendenziell aufgegriffen und weitergeleitet zu werden. Meistens genügt es, dass sie nicht gänzlich unplausibel sind und nicht gleich als falsch entlarvt werden können. Wenn Teil der Informationsverdichtung deines Kanals die kompetente Klärung, Richtigstellung und Nachbearbeitung von in der Eile zunächst falsch bewerteter Informationen ist, wird das als wertvolle Qualität wahrgenommen werden.

Informationen, die zu kollektiven Phantasmen passen, können sich schneller und leichter verbreiten als Wahrheiten, die niemand hören mag, weil sie als zu komplex wahrgenommen werden oder Ohnmachtsgefühle auslösen. Problematisch ist, dass komplexe Information tendenziell verworfen oder verdrängt wird, anstatt als Widerspruch angenommen zu werden und entsprechende Reflexionsprozesse auszulösen. Komplexität hat ihren Ort eher in Bildungszusammenhängen, wo es kollektive Verarbeitungsprozesse samt einem zeitintensiveren Austausch und Rückfragen zu einem bestimmten Thema geben kann. Daher gilt: die langsamere bildungsförmige Informationsarbeit, in der der Umgang mit Widersprüchen Platz hat, ist nicht durch die mediale ersetzbar.

Mobilisierungswettlauf und Aktion

Am Vormittag des 29. April 2010 kommt es zu einer Polizeiaktion beim Fussballtraining der FC Sans Papiers in Wien. Ein Großaufgebot der Polizei umstellte den Fußballplatz und stürmte von mehreren Richtungen auf Spieler los, nimmt einige fest und will sie in Schubhaft überstellen. Ihnen droht die umgehende Abschiebung. Noch während der Polizeiaktion wird diese Info via SMS, E-Mail-Verteiler, Foren, Facebook, Twitter und andere Kanäle weiterverteilt. Wenig später wird über dieselben Kanäle zur Solidemo aufgerufen.

Einer ersten kleinen Gruppe durch die Info mobilisierter Aktivist_innen gelingt es beim Schubgefängnis Hernalser Gürtel einen Polizeibus zu stoppen, der einen gerade festgenommenen Spieler des FC Sans Papiers zur Vorbereitung der Abschiebung in ein anderes Gefängnis überstellen soll. Mehr solidarische Demonstrant_innen kommen und schließen sich der spontanen Blockade an, über die laufend über alle Kanäle berichtet wird. Die Aktivist_innen können anfangs den Mobilisierungswettlauf gegen die Polizei gewinnen, noch während der Geschehnisse erscheinen erste Berichte in etablierten Onlinemedien. Erst Stunden später kann sich die Polizei mit Verstärkung, Hundestaffel, Pfefferspray und gewaltsamer Auflösung der Sitzblockaden durchsetzen. Die Aktion mündet in polizeiliche Repression, über 30 passiv Widerstand leistende Aktivist_innen werden festgenommen, was nun allerdings nicht nur vorort einige Menschen miterleben sondern über die heißlaufenden Kanäle deutlich mehr Menschen via WWW mitverfolgen. Zwei Mitglieder des FC Sans Papiers werden schließlich trotz dieses Widerstand in den darauffolgenden Tagen abgeschoben.

Anhand der Spontandemo am Hernalser Gürtel kann sehr deutlich aufgezeigt werden, wie Aktivismus auf der Straße und die Nutzung von Social Media einander ergänzen können. Die Live-Berichte via Twitter, Fotos und Videos werden noch in der selben Nacht in Blogs nachbereitet. Eine tagelang andauernde Diskussion über die Busblockade in den Mainstreammedien ist das Nachspiel dieses weithin beobachteten Konflikts. Das macht einmal mehr deutlich, wie manifeste Aktionen, Demos und Streiks in enger Verbindung mit Social Media zur Verbreitung kritischer Diskurse genutzt werden können. Umgekehrt wird auch sichtbar, wie vergleichsweise schwach der Impakt von Social Media-Informationen im Mainstream ist, wenn parallel keine manifesten Aktionen auf der Straße oder sonstwo stattfinden.

Stell den Konflikt dar und setz ihn immer wieder in Szene!

Informationen können bis zu einem gewissen Grad propagandistisch gehyped und als wertvoll inszeniert werden. Eine wichtige Propagandatechnik ist die stetige Wiederholung, um dafür zu sorgen, dass das Publikum in einem sozialen Raum immer wieder mit bestimmten Botschaften konfrontiert ist. Die Wiederholung einer Information steigert deren Relevanz. Mit entsprechendem Aufwand kann eine Inszenierung eine bis dahin irrelevante Information relevanter machen. In den meisten Fällen werden irrelevante Informationen jedoch irrelevant bleiben. Zudem sind die Instrumentarien der Propaganda Medienkonzernen oder Medien mit besonderem Einfluss in sozialen Bewegungen vorbehalten, die stark genug sind, soziale Räume mit ihren Botschaften zu besetzen. Allerdings lassen sich Informationen auch in kleinerem Maßstab inszenieren. Durch die Inszenierung als Konflikt lassen sich bestimmte Informationen leichter an ein Publikum bringen.

Botschaften werden attraktiver und wahrscheinlich auch klarer, wenn sie als Widerstreit dargestellt werden und das Publikum dem Streit zuschauen und sich eine Meinung bilden kann. Du tust also gut daran, über Konflikte zu informieren, wenn Du attraktiv sein willst. Im Grunde genommen tun auch die Mainstream-Medien nichts anderes, als über Konflikte zu berichten, solange nicht irgendwo eine Naturkatastrophe noch spannender zu sein scheint. Informationen sind per se nie neutral, sie können zwar aus unterschiedlichen Positionen unterschiedlich gelesen, interpretiert und verwertet werden, haben aber doch stets in sich eine gewisse Richtung. Diese Richtung lässt sich durch die konfliktförmige Darstellung noch stärker herausarbeiten.

Arbeite an Farbe und Ton deines Kanals

Sobald du eine Information nicht nur 1:1 weiterleitest, sondern sie in irgendeiner Form bearbeitest, kannst Du gar nicht anders, als der Information zusätzlich noch deine Farbe mit auf den Weg zu geben. Das muss gar kein Nachteil sein. Vielmehr kannst du das zu deinem Vorteil nutzen. Witzige Sprache, Pointen, Klarheit, Kürze, Nüchternheit, Stilsicherheit, Deutlichkeit, Offenheit, Deklariertheit aber auch zusätzliche Recherche, all das und noch viel mehr kannst Du als persönliches Markenzeichen entwickeln und damit eine zusätzliche Attraktivität bei den Rezipient_innen erreichen. Du kannst auch an sich alte Information attraktiver aufbereiten als die Menschen vor dir und damit nochmals Publikum erreichen. Wenn deine Färbung allerdings nicht zu deinem Publikum passt, wird das Deine Attraktivität reduzieren.

Je breiter dein Publikum, desto eher solltest du auf das achten, was als Neutralität und Seriosität verstanden wird, denn dadurch machst du deine Informationen für viele anschlussfähiger, ohne dass bei deinem Publikum ein Bearbeitungsaufwand anfällt. Außerdem passt nicht jede Färbung zu jeder Information. Jedenfalls ergibt sich zwischen der Tendenz, die der Information selbst innewohnt und den Rezeptionsgewohnheiten des Publikums ein gewisser Spielraum, den du nutzen kannst, um Färbungen ins Spiel zu bringen. Wesentlich mehr Beitrag zur Meinungsbildung leistet freilich immer noch deine Informationsverdichtung. Sobald und solange die Menschen auf dich schauen, dich lesen und von dir kommende Informationen als relevant einstufen, kannst du insbesondere durch Auswahl der Informationen Lenkungseffekte erzielen.

Du bist nicht der Einzige, der sich um Breaking News bemüht und der Information seine eigene Färbung mitgeben will. Informationen können im Rahmen einer Informationsstrategie bewusst zurückgehalten, selektiv und vorrangig an bestimmte Medien und Personen weitergeleitet werden, um einen Informationsvorsprung herzustellen oder um Schwerpunkte zu setzen und anderen Informierenden die Show zu stehlen. Machtpositionen und privilegierte Informationszugänge können in besonderer Weise dazu genutzt werden, um zu überlagern und zu verdrängen, den Zugang zu Informationen zu verhindern oder zu erschweren. Informationsstrategien können genauso darauf abzielen, kritische Expert_innen als uninformiert dastehen zu lassen. Abuse of power comes as no surprise.

Die Fremdenpolizei früh morgentlich mit Sturmgewehr und Rammbock gegen KinderEin die Vorgänge rund um die Abschiebung eines FC Sans Papiers Spielers dokumentierendes Video von wienTV.orgRöthis, das Dorf der Widerspenstigen - ein Zeitungsartikel in DIE ZEIT

INFORMATIONSWETTLAUF UND INFORMATIONSSTRATEGIEN
➊ Wir alle wissen, dass Bilder wichtig sind. Ebenso wichtig ist Vorbereitung. Die versuchte Abschiebung der Familie Komani führt nur deshalb zu einem öffentlichen Aufschrei, weil es die Bilder davon gibt, wie schwer bewaffnete Polizei um 6:40 in der früh mit Sturmgewehr Kleinkinder abführt.
➋ Die Behörden versuchen Bilder, Informationen und Aufmerksamkeit zu vermeiden. Die andere Seite versucht, aufmerksam zu sein und Bilder zu produzieren, am besten die Vorgänge dokumentierende YouTube-Videos, die schnelle Verbreitung finden.
➌ Aktivist_innen harren oft nächtelang bei von Abschiebung Bedrohten aus, manchmal auch von Erfolg gekrönt.

Kriege werden neuerdings auch ganz bewusst als Informationskriege geführt. Journalist_innen werden von Kriegsschauplätzen ferngehalten und nur ganz selektiv mit Informationen und Bildern versorgt oder sie werden “eingebettet” und kontrolliert. Auch österreichische Ministerien haben gelernt, dass sich mittels im Stillen vorbereiteter Exklusivpressekonferenzen unter Auswahl nur geladener willfähriger Journalist_innen das diskursive Terrain zum eigenen Vorteil aufbereiten lässt. Gleichzeitig wird Zensur immer in der Welt des World Wide Web schwieriger, wie das Beispiel der 90.000 gehackten Dokumente zum Afghanistan-Krieg zeigt, die im Juli 2010 von Wikileaks veröffentlicht werden und breites Echo in den Medien finden.

Zusammenfassung

Um zu politischen Aktivitäten und Aktionen mobilisieren zu können, – und erst recht um in dringlichen Situationen schnell, organisiert und effektiv mobilisieren zu können, – muss in vorausschauender Aufbauarbeit eine Informations- und Kommunikationsstruktur aufgebaut und etabliert werden. Als Aktivist_in oder Organisation gilt es, die eigene Position als glaubwürdigen und relevanten Informationsknotenpunkt zu etablieren und damit Netzwerkknotenpunkt in einer wachsenden Menge Interessierter zu werden.

  • Verbreite Informationen effektiv und effizient, das lockt gute Informationen an.
  • Bereite dich auf die nächste Protestwelle vor insbesondere durch das Sammeln von Publikum (= Adressen).
  • Nutze neue Medien, denn das steigert die Attraktivität Deiner Information.
  • Betrachte die Selektion, Kombination Verdichtung und Ordnung der Information und als Dienstleistung.
  • Verschaff dir einen Informationsvorsprung, indem du schneller Informationen verbreitest als andere.
  • Inszeniere Konflikte, um die Aufmerksamkeit zu nutzen, die Konflikten allgemein geschenkt wird.
  • Überschätze nicht den Wert deiner Information für dein Publikum, denn sonst sendest du ins Leere.
  • Überschätze nicht die Macht der Information und der Medien, es braucht immer auch die unmittelbaren Aktionen und Konflikte, über die informiert werden kann. Also beschränk dich nicht auf Informationsarbeit. Be part of the action as well. Und hol dir dadurch einen Informationsvorsprung.
  • Begeh nicht den Fehler, fehlerhafte Information zu leugnen oder zu überspielen. Deine Glaubwürdigkeit sicherst du dadurch, dass du Fehler gegebenenfalls schnell richtigstellst.
  • Unterschätze nicht die Möglichkeiten der langsameren bildungsförmige Informationsarbeit, in der der Umgang mit Widersprüchen Platz hat. Die Arbeit an und mit Widersprüchen kann deine medienförmige Informationsarbeit schärfen.

February 11 2011

kellerabteil
9473 0bf1 520
let it be known! congratulations!!!!
Tags: #egypt
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February 10 2011

kellerabteil

2011 has been a remarkable year for rapid political change. Spurred on by Mohamed Bouazizi’s desperate self-immolation, protests in the central Tunisian town of Sidi Bouzid spread throughout the nation and ultimately accomplished the unthinkable: they forced the end of a 23-year dictatorship. Inspired by the actions of the Tunisian people, protesters took to the streets in Jordan, Yemen, Algeria and, most notably, Egypt where protesters currently hold Tahrir Square in the center of Cairo and are pressuring Hosni Mubarak to step down. Mubarak has already offered several concessions, and it seems clear that Egyptian politics will shift sharply in the coming months. Seeking to address protester’s concerns, Jordan’s King Abdullah II has sacked his cabinet and ordered formation of a new government, while Yemen’s president Saleh has agreed to step down in 2013.

English-language media was, for the most part, slow to cover the Tunisian protest story. (See my earlier post, “What if Tunisia Had a Revolution, But Nobody Watched?”) As it became clear that protesters were actually forcing Ben Ali from power, networks caught up rapidly and offered live video of the remarkable events in Tunis, as the army intervened to protect protesters from security forces, urging Ben Ali towards the exits. The protests in Egypt developed much more rapidly than those in Tunisia, with massive demonstrations erupting across the country on January 25 – global media were covering the story intensively by January 28, when it became clear that demonstrators wouldn’t honor the government curfew and would continue to occupy central Cairo.


Google Trends comparison of search and news attention to “Tunisia” versus “Egypt”. While the protests in Sidi Bouzid began in mid-December, a spike in media attention began only with Ben Ali’s ouster on January 14, and rapidly died out. Attention to the Egypt protests starts increasing in the days after the January 25th protest, peaking about a week later.

Al Jazeera, banned from reporting in Tunisia, was able to offer 24/7 coverage from locations throughout Egypt, and many American viewers found themselves absorbed by Al Jazeera English’s coverage of Tahrir Square, streamed over the internet to record audiences. Other news channels turned their focus to the story, sometimes focusing less on events on the ground than on issues of regional stability or implications for the US/Israel relationship. In total, however, coverage in US media was massive for an international news story. Project for Excellence in Journalism’s News Coverage Index saw the story occupying 76% of the cable TV newshole in the first week of February – it’s the biggest international news story they’ve tracked in their four-year project, and the fourth-largest story of any kind they’ve seen during that period.

It’s easy to understand why revolutions make for good television – they’re the most visible form of political change, and when they reshape governments previously considered unassailable, they’re a profoundly engaging and hopeful narrative. A revolution in Egypt is particularly compelling, as the nation is the most populous in the Arab world, and the cultural heart of the region.

But not all revolutions are blessed with this level of attention. The West African nation of Gabon is experiencing a popular revolt against the rule of Ali Bongo Ondimba, son of long-time strongman Omar Bongo, president since October 2009. Thousands of opposition supporters took to the streets of the nation’s capital, Libreville, on January 29th, and faced violent suppression from Ali Bongo’s troops. Protests have spread to other cities, and the crackdown against them has become increasingly fierce. Protests planned for February 5th and 8th were both suppressed with tear gas. At this point, it’s unclear whether protesters will be able to continue pressuring the government, or whether the crackdown has driven dissent underground.


Protest in Meyo-Kyé, a small city in northern Gabon, 2 February, 2011. The banner reads: “In Tunisia, Ben Ali left. In Gabon, Ali Ben out.” From Global Voices’s coverage of the Gabon protests.

The protests in Egypt and Tunisia have focused attention on autocratic governments with a history of corruption. In Egypt, the possibility of a Mubarak dynasty moving from Hosni to Gamal Mubarak helped stoke dissent. Gabonese are familiar with these types of problems. Omar Bongo is widely believed to have systematically looted the Gabonese treasury for his personal benefit. A suit brought in France by Transparency International against the governments of Gabon, Congo and Equatorial Guinea, accuses Bongo of depositing 8.5% of the national budget into a personal account at Citibank, siphoning over $100 million from the country between 1985 and 1997. When Bongo finally died in a Barcelona hospital in 2009, a controversial election ended up selecting Bongo’s son as a new leader over widespread accusations of voter fraud. And while Gabon, blessed with oil wealth, has a very high GDP per capita by sub-Saharan African standards, little of that wealth reaches the Gabonese people, one third of which live in poverty.

Little surprise, then, that Gabonese opposition supporters watched the events in Tunisia with a sense of hope and possibility.

It’s understandable that protests in Gabon haven’t captured the world’s attention. Gabon is a small nation, with a population of 1.5 million, and very few casual newspaper readers could place it accurately on a map. But this lack of attention has consequences. As protests unfolded in Libreville, opposition leader André Mba Obame – who likely won the 2009 election – and his leading advisors took sanctuary in the UNDP’s compound in the city, fearing arrest by Ali Bongo’s forces. According to recent Facebook posts, Obame and his advisors are facing steady pressure from UNDP to vacate the premises, and have already been ordered to surrender their mobile phones.

…My heart’s in Accra » Tunisia, Egypt, Gabon? Our responsibility to witness
Tags: #egypt

February 08 2011

kellerabteil
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February 07 2011

kellerabteil
Die westlichen Regierungen einschließlich der USA haben sich auf eine Übergangslösung geeinigt, die nun in Ägypten wohl »zur Anwendung« kommen wird: Mubarak geht, das Regime bleibt. Neuer Chef des Regimes wird voraussichtlich der berüchtigte Omar Suleiman werden, Chef des Geheimdienstes und einer der verläßlichsten Parteigänger der USA in Ägypten. Amerikanische Medien titulieren ihn seit Tagen als Mr Torture und verweisen auf seine engen Beziehungen zur CIA.
Sollte Mubarak bald seinen Platz räumen, worauf einiges hindeutet, dann würde man also von Suleiman einen geordneten Übergang zu demokratischen Verhältnissen erwarten. Zeugt das jetzt aber von Optimismus, wenn man Suleiman zutraut, er werde nach dem Abgang Mubaraks eine Selbstauflösung des ägyptischen Regimes und einen Wandel hin zu demokratischen Verhältnissen zustandebringen oder auch nur anstreben? Nein, es zeugt nicht von Optimismus, sondern von Naivität oder Verschlagenheit. Und ich tendiere zu letzterem.

Erleben wir vielleicht gerade einen der gelungensten Coups der westlichen Außenpolitik der letzten Jahrzehnte? Die Strategie der westlichen Regierungen, die das Regime in Ägypten trotz aller Rhetorik wohl am Leben erhalten wollen, könnte aufgehen. Man spekuliert,so hat es den Anschein, derzeit wie folgt: Mubarak wird gehen, und eine der Hauptforderungen der Demonstranten ist erfüllt. Suleiman rückt nach und macht weiter wie bisher. Nein, das legt man ihm natürlich nicht nahe, man fordert ihn zu Reformen auf und zu einer Änderung der Verhältnisse. Das kann man auch leicht tun, denn es würde Monate dauern, das umzusetzen. In dieses Horn stoßen ja auch die westlichen Regierungschefs: »Demokratie funktioniert nicht von heute auf morgen«, »ein sofortiger Umbruch würde in Anarchie enden« usw. usw. Suleiman gewänne also Zeit – wie es ja die erfolgreiche Strategie des Regimes und des Westens bisher gewesen ist, Zeit zu gewinnen. Denn die Zeit arbeitet gegen die Protestierenden in Ägypten.

Und so könnte das schmutzige Spiel des Westens, das bei längerem Hinsehen immer schmutziger wird, aufgehen: Die Zeit zermürbt die Demonstranten, immer mehr Leute sehnen sich – was ja verständlich ist – nach einer Normalisierung der Verhältnisse. Wirtschaftliche Engpässe machen dem Protest zu schaffen, und über die letzten Tage ist zu beobachten, daß sich eine gewisse Frustration breitmacht. Für das Regime – und für die westlichen Staaten – lautet die Parole: Aussitzen. Und das funktioniert immer besser, mit jedem Tag.

Die verlogene Distanzierungs-Rhetorik
Derweil üben sich die westlichen Regierungen in Distanzierungs-Rhetorik, zuerst in Brüssel und jüngst auf der Münchner Sicherheitskonferenz: »Wir müssen uns hüten, den Ägyptern irgendwelche Lehren zu erteilen«, »die Ägypter müssen selbst bestimmen, wer sie regieren sollte«, so oder ähnlich tönt es seit Tagen in allen Interviews mit maßgeblichen Vertretern westlicher Regierungen. Aber das, was hier scheinbar gesagt wird, ist nicht gemeint
Unsere Stimme - Blog des Instituts für Arabistik und Islamwissenschaft an der WWU: »Game Over«?
Tags: #egypt

February 05 2011

kellerabteil
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Reposted byshele shele
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